Erfahrungen mit der Proa P5 Teil 4

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Erfahrungen mit der Proa P5 Teil 4

Beitragvon manfred » Sa 12. Jun 2010, 10:39

Liebe Proaistas,

der lange Winter hat die Arbeiten am Boot und damit den Saisonstart ziemlich nach hinten verschoben. Aber jetzt sind sie zumindest soweit abgeschlossen (offensichtlich enden Arbeiten am Boot nie), dass Rapa Nui seit vier Wochen im Wasser liegt und ich über die ersten Erfahrungen berichten kann.

Die Arbeiten am Boot bezogen sich im Wesentlichen auf zwei Umfänge:
1. Verbesserung des Aussehens
2. Bau eines neuen Riggs

Der erste Teil war der mit Sicherheit zeitaufwändigere und schweißtreibendere. Beim Bau des Bootes hatte ich das 5mm Bootsbausperrholz mit Vorlack und Decklack in Nussbraun mit der Spritzpistole lackiert. Nachdem das Ergebnis dann vor mir lag, war ich weder mit dem Farbton noch dem Glanz und erst recht nicht mit der Qualität der Ausführung zufrieden.
Also alles abschleifen, mit 80 g/m² Glasmatte verkleiden und dann in Weiß lackieren. Othmar, Du empfiehlst 200 g/m², was auch sicher die bessere Wahl ist, aber da das Sperrholz schon 5mm hatte, wollte ich durch die Glasmatte nicht noch mehr Gewicht in das Boot bringen. Die 80 g Matte lässt sich zwar sehr gut drapieren aber kaum faltenfrei auf große Flächen aufbringen, was dann wiederum zu erheblichen Schleifarbeiten führt. Dabei fiel mir immer wieder Deine Aussage “eine Boot wird nicht gebaut, es wird geschliffen” ein, die der Wahrheit ziemlich nahe kommt.
Das Ergebnis dieser Arbeiten kann sich aber durchaus sehen lassen. Das Boots strahlt in einem höheren Glanz als selbst fabrikneue Kunststoffboote und mit dem Finish bin ich mehr als zufrieden. Dazu beigetragen hat sicher, dass ich dieses Mal mit der Rolle gearbeitet habe. Dadurch konnte ich die zu lackierenden Flächen immer waagerecht legen und habe so keinen einzigen Läufer am ganzen Boot. Es ist wirklich eine schmuckes Schiffchen geworden, wie sich an den beigefügten Bildern sehen lässt. Wenn der geneigte Leser hier einen gewissen Stolz des Besitzers zu erkennen glaubt, so liegt er mit seiner Vermutung nicht ganz daneben. Die Arbeit war aber auch zeitweise recht frustrierend.

Das alte Rigg hatte mich weder vom Vortrieb noch von der Ausgewogenheit her überzeugt. Angeregt durch Deine Hinweise, Reto, habe ich Veränderungen vorgenommen und das Rigg hat jetzt die folgenden Abmessungen:
Mast: 4,9m + 0,3 Mastverlängerung
Segel: Vorliek 5,9m, Unterliek 5,25, Achterliek 4,9m
Der horizontale Abstand Bug - Masttop beträgt 0,5m.

Damit liegt das Boot ausgezeichnet auf dem Ruder, reagiert äußerst präzise und schnell auf Ruderausschläge und setzt Böen ohne groß zu krängen sofort in Geschwindigkeit um. Mit dem Geschwindigkeitspotential bin ich sehr zufrieden, wenngleich ich noch keine Messungen habe. Sicher kann man diskutieren, ob 12qm für das Boot nicht zu viel sind, aber für unser Schwachwindrevier halte ich die Fläche für angemessen, jedenfalls reichte das nur 60 cm breite Sitzbrett zum Ausreiten bislang aus (was wiederum dazu geführt hat, dass ich das Trampolin noch nicht in Angriff genommen habe).
Auch die Fall Hebe- und Senkeinrichtung funktioniert tadellos und so erfolgt das Shunten so problemlos, wie ich mir das nur wünschen kann.

Wenn der geneigte Leser jetzt vielleicht Bedenken hat, ob ich nicht zu positiv berichte, so kann ich nur auf meine vorausgegangenen Berichte verweisen, in denen ich durchaus offen und ehrlich über Unzulänglichkeiten und Kritikpunkte geschrieben habe.
Einschränken muss ich allerdings, dass ich in den Wochen bisher nur bei Windstärken bis maximal 3 gesegelt bin. Kann sein, das ich einige meiner Aussagen bei mehr Wind revidieren muss. So befürchte ich, dass sich der Mast dann so biegt, dass sich die ganze, auf Zentimeter genaue, Ausrichtung des Riggs verändert. Aber schauen wir mal, im Augenblick bin ich jedenfalls sehr zufrieden mit den Segeleigenschaften.

Allen eine schöne Segelsaison und ich würde mich freuen zu hören, wie es Euch so mit Eueren Proas ergeht

Manfred
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Re: Erfahrungen mit der Proa P5 Teil 4

Beitragvon multihuller » Di 15. Jun 2010, 08:10

Hallo Manfred,
danke für den schönen Bericht. Jetzt sieht Dein Boot wirklich super aus. Ich bin schon gespannt, was Du einmal mit mehr Wind erleben wirst. In jedem Fall freut es micht, daß Du jetzt soweit zufrieden bist.
L.G.
Othmar
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Re: Erfahrungen mit der Proa P5 Teil 4

Beitragvon p_schurli » Fr 18. Jun 2010, 12:11

Hallo Manfred!
Dein Aufwand hat sich ausgezahlt! Meine Glückwünsche zum neuen, schönen Boot.
Bitte berichte auch weiterhin über deine Erfahrungen mit dem neuen Rigg.
Grüße, Peter
Proa P5, Corsair F-27
p_schurli
 
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Re: Erfahrungen mit der Proa P5 Teil 4

Beitragvon segelreto » Di 13. Jul 2010, 21:56

Hallo , Manfred!
Etwas verspätet: Gratulation zur Bootsverschönerung! Schaut fesch aus!
Ich habe meinen Cockpitboden 8,5 cm höher gelegt, mit Lenzstopfen verschließbare Speigatten eingebaut und per Schnursystem Amawärts ziehbare Ruderdollen ( zum 1-Hand Starkwindsteuern). Dann Pfingsten 10 Tage nach Torbole am Gardasee. Das ist ein Starkwindmekka wegen eines sich täglich wiederholenden Thermikphänomens. Bin jetzt auch zu zweit (130 Kilo) mit dem Boden deutlich über der Wasserlinie. Bei starkem Winddruck neigt die Proa im 1 handmodus aber zum Bohren (ich hatte etliche Stecker) , weil niemand hinten sitzt. Dadurch und auch durch die Welle drückts immer wieder Wasser durch die Lenzlöcher nach innen Jetzt leert sich das randvolle Boot allerdings bequem von selbst, wenn man aufstoppt. Habe jetzt zusätzlich nach hinten gebogene Lenzrohre gebaut, die man je nach Fahrtrichtung dreht. Starkwindtest steht noch aus. Die von Schnüren gehaltenen Ruderdollen habe ich wieder verworfen, jetzt mach ich einfach Bändsel an die Beams und stecke das Steuerpaddel (neugebaut, längeres und breiteres Blatt, 215 cm) durch. Außerdem habe ich 2 zerlegbare und im Bodenluk verstaubare Slipwägelchen gebaut und lasse mein Boot jetzt am Chiemsee.
Gruß, Reto
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Re: Erfahrungen mit der Proa P5 Teil 4

Beitragvon multihuller » Sa 17. Jul 2010, 08:45

Hallo Reto,

ich sehe, du willst es wissen :)

Ich habe schon deine Videos bewundert und muss sagen, Du holst da Sachen aus dem Boot, an die ich mich nie herangetraut hätte. Das Problem mit den Steckern ist wahrscheinlich am besten mit anderen Bügen (Marshall Island Style) zu lösen, so wie sie Peter Schuhmayer an seiner verlängerten P5 hat.

Eine andere Idee wäre, in der Mitte der Beams in Längsrichtung eine Art Ausreitbrett (aus Sandwich) zu installieren, das über die Beams hinausragt. Dann könnte man seine Kilos mehr nach achtern verlagern, ohne die Luvposition zu verlassen.
Aber ich bin sicher, Du wirst es schon in den Griff bekommen.

Viel Spass am Gardasee und wir hoffen wieder auf ein tolles Video.

L.G.
Othmar
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Re: Erfahrungen mit der Proa P5 Teil 4

Beitragvon segelreto » So 18. Jul 2010, 11:34

Hallo, Othmar!
Ein Ausreitbrett in Luv wäre wahrscheinlich nicht sehr wirkungsvoll. Das Bohren fand ja in der extrem kurzen und steilen Welle des Gardasee- Nordufers bei Thermik- Südwind (Ora) statt: Das Boot schießt über die erste Welle, nickt (Proas mit Ellipsenform neigen wohl dazu) wenn der Wellenabstand paßt, voll in die 2. Welle, schaufelt sich vorn voll Wasser (das kann nicht schnell genug ablaufen) und bohrt sich in der 3. Welle fest. Man kann das natürlich vermeiden, indem man vor jeder Welle etwas Druck aus dem Segel nimmt. Selbst wenn man ganz hinten auf dem Ama steht, verwindet sich das Boot so stark, wennes auf die Welle fährt, daß nicht genug Druck aufs Heck kommt. Daher der Ausreitbrett- Zweifel. Auch Marshall- Büge würden da wohl nicht viel bringen, nur mehr Volumen, aber dann wärs keine Proa mehr. Ein guter Abfluß (habe ja jetzt Lenzrohre) und gute Segeltechnik sind, denke ich, hilfreicher.
A propos Abfluß: Bin mitlerweile mehrmals durchgekentert, der Mast blieb stehen und das Boot ließ sich problemlos von 1 Hand aufrichten. Praktisch dazu ist eine Y- förmige Amaleine, die Außen an beiden Beams befestigt ist, an der sich Amamann/Frau beim Ausreiten festhalten kann, und die im Kenterfall als Aufrichthilfe dient.
Auch das polynesische Reff (Geitaue) ist besser eingesetzt worden. Tatsächlich ist es die Leeleine, die das Abfallen/ Raumschots segeln bei Starkwind sehr erleichtert. Finger weg von der Luvleine. Ein Video habe ich diesmal leider nicht, versuche aber ein paar Bilder hochzuladen,
Gruß. reto
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Re: Erfahrungen mit der Proa P5 Teil 4

Beitragvon segelreto » So 18. Jul 2010, 11:44

Entschuldigt, aber die Bildkomprimierung ist neu für mich. 2. Versuch, reto
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Re: Erfahrungen mit der Proa P5 Teil 4

Beitragvon segelreto » So 18. Jul 2010, 12:39

Schon besser, jetzt ein Bild vom "Bohren", reto
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Re: Erfahrungen mit der Proa P5 Teil 4

Beitragvon segelreto » So 18. Jul 2010, 12:52

Hier das Leereff: Das Geitau ist etwas stark aufgeholt, man kann bei sachter Dosierung nur das vordere, von der Leine abgeteilte Segeldreieck, relativ flach und sauber ziehen lassen.
reto
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polynesisches Reff, Leeleine
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Re: Erfahrungen mit der Proa P5 Teil 4

Beitragvon segelreto » So 18. Jul 2010, 13:03

Hier das neue Steuerpaddel (215 cm, längeres, breiteres, schärferes Blatt), Slipwägelchen (zerlegbar, passen in neue, größere ((20 cm)) Bodenluken), links sieht man das Ende der Ama/Kenterleine.
reto
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