Steuerpaddel versus ROmaM, Vor- und Nachteile

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Steuerpaddel versus ROmaM, Vor- und Nachteile

Beitragvon manfred » So 10. Jan 2010, 17:14

Steuerpaddel versus ROmaM
Vor- und Nachteile

Bevor wir hier tiefer in die Problematik einsteigen, muss ich, glaube ich, dem etwas irritierten Leser das ROmaM etwas näher beschreiben. Der Begriff ist dem allgemeinen AküWa – Abkürzungswahn – geschuldet und bedeutet „Ruder nach Othmar modifiziert a al Manfred“.

In der Baubeschreibung von Othmar für die P5 findet sich ja ein Ruder, dass zwischen zwei Ruderaufnahmen geführt wird - auf der oberen und unter der unteren. Nach meinen Erfahrungen empfiehlt sich diese Anordnung nicht, weil das Ruder beim Shunten senkrecht von oben zwischen den beiden Ruderaufnahmen in das Wasser eingeführt werden muss. Wenn das Boot dabei auch nur etwas Fahrt hat, wird es extrem schwierig, mit dem Ruderschaft die Führungen in den Ruderaufnahmen zu treffen. Ich habe diese Anordnung insofern modifiziert, dass ich den Ruderschaft auch auf der unteren Ruderaufnahme führe. Dazu muss er natürlich durch einen Tampen gehalten werden. Das Ruder lässt sich dann wie bei einem Steuerpaddel eintauchen.

Nachdem wir vor einigen Monaten die Diskussion zum Steuerpaddel hatten, habe ich über ca. zwei Monate auf der einen Seite des Bootes ein Steuerpaddel und auf der anderen Seite ein RomaM gefahren. Ein Vergleich der beiden Systeme ergibt folgendes Bild:

- beim Wechsel war ich jedes Mal erschrocken über die Kräfte, die ich am Steuerpaddel aufbringen musste. Über einen längeren Zeitraum war das wirklich ermüdend und nicht zu vergleichen mit dem RomaM. Gary Dierking hat dieses Phänomen veranlasst, bei seiner Ulua eine „klassische“ Ruderanlage“ vorzusehen, was in meinen Augen aber wirklich verboten aussieht. Das RomaM ist dagegen in meinen Augen optisch durchaus vertretbar.
- Sehr oft musste ich mit beiden Händen steuern, was mir nicht so gefällt, weil ich in der anderen Hand gern die Schot führe, um in einer Bö schnell auffieren zu können.
- Das Bedienen des RomaM aus der Ausreitposition ist relativ einfach. Ein Rundholz, an der Spitze eine kleine Aufnahme, ein Bändsel und fertig ist die Laube (oder der Pinnenausleger). Ich bin gespannt auf die Erfahrungen mit Deiner Konstruktion, Reto. Sie scheint mir auf jedem Fall komplizierter zu werden.
- Das RomaM mit seinen 1,5m Länge ist handlicher als ein 2,5-3,2m langes Steuerpaddel und lässt sich leichter auch einmal nach Lee umsetzen.
- Den Lateralschwerpunkt kann man mit dem RoamM leicht verschieben, indem man einfach das Ruder weiter ins Wasser schiebt (sprich weiter nach hinten und tiefer). Das ist zwar kein Vorteil gegenüber dem Steuerpaddel, weil man es damit auch machen kann, sollte hier aber der Vollständikeit wegen erwähnt werden.

Ich will hier nicht dem RomaM das Wort reden, sondern nur einfach die Eigenschaften aufzeigen. Das Steuerpaddel hat sicher eine Menge Vorteile:

- mit dem Steuerpaddel kann dem Boot ein kräftiger Impuls gegeben werden, der manchmal den Unterschied ausmacht, ob der Wind von der faschen Seite einfällt oder ob man es gerade noch verhindern kann
- mit dem Steuerpaddel kann man einen gleitenden Übergang vom Steuern zum Wriggen herstellen in Fällen, wo der Wind sich nicht entscheiden kann, ob er nun wehen will oder nicht. Das hört sich irgendwie lächerlich an, aber es ist so nervig, bei wenig Wind das Paddel in die Hand zu nehmen und bei dem nächsten Windzug dann wieder wegzulegen. Ich habe diese Möglichkeit als sehr angenehm empfunden.
- Ein weiterer Vorteil des Steuerpaddels ist, dass nur eine Ruder- (oder hier Paddel-) aufnahme benötigt wird. Bei meinem Boot schmeisst die untere Ruderaufnahme bereits bei wenig Wellengang beträchtliche Mengen Wasser in das Gesicht des dann nicht mehr ganz so begeisterten Proaseglers (mal abgesehen von dem zusätzlichen Wasserwiderstand).
- für den Traditionalisten kommt sowieso keine andere Möglichkeit in Betracht, weil in Poly-, Mela- und was weiss ich noch -nesien nur Steuerpaddel eingesetzt wurden

Für mich persönlich in meinem speziellen Anwendungsfall überwiegen die Vorteile des RomaM, sodass ich nun diese Anlage wieder auf beiden Seiten eingebaut habe.
Auch unsere beiden P8-Kollegen scheinen sich noch kein endgültiges Urteil über die letztendliche Ausführung der Steuerung gemacht zu haben. Das schließe ich daraus, dass sie verschiedene Verstärkungen eingebaut haben, oder täusche ich mich da, Othmar?

Schöne Grüße
Manfred
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Re: Steuerpaddel versus ROmaM, Vor- und Nachteile

Beitragvon Multihull-Team » Di 15. Jun 2010, 07:57

Hallo Manfred,
es ist zwar schon einige Zeit verstrichen, seit Du diesen Artikel geschrieben hast, aber es ist ja nie zu spät.
Deine Erfahrungen mit dem "ROmaM" entsprechen auch meinem bescheidenen Kenntnisstand. Wahrscheinlich müßten beide Ruderaufnahmen höher gesetzt werden, damit vor allem die untere weiter vom Wasser wegkommt. Aber die Rumpfhöhe setzt halt allem eine Grenze. Vielleicht wäre es einen Versuch wert, die untere Ruderaufnahme in Fahrtrichtung mit einem nach schräg nach oben zeigenden Brettchen zu versehen, welches das Wasser nach unten abführt und ggf. beim tiefer Eintauchen Auftrieb erzeugt.

Jeremy Fischer hat auf seiner "Equilibre" auch ein Hilfsruder installiert. Bei 11m Länge ist natürlich mehr möglich. Auf einem der Videos in YouTube sieht man den Einsatz seines Hilfsruders: http://www.fwiproa.com/

Tja, und zu Deiner Frage nach den P8-Kollegen. Helmut wird ein Steuerpaddel einsetzen, da er davon ausgeht zumeist mit Lateralflächenverscheibung zu steuern Und meine Wenigkeit hat sich den ganzen Winter den Kopf zerbrochen, ohne zu einem vernünftigen Resultat zu kommen. Da meine P8 ja nur 20 cm Tiefgang haben wird, bin ich auf eine "richtige" Ruderanlage angewiesen. Meine Idee mit dem "Trommelruder" habe ich mangels Umsetzungsmöglichkeiten hier erstmal zu den Akten legen müssen. Was ich jetzt realisieren werde, ist das gute alte Steckruder (Kassettenruder) ala Russ Brown, bei dem das jeweilige "Bugruder" eingezogen wird. Inwieweit das Zusammenspiel mit dem Schwert im Ama funktioniert wird sich zeigen. Ich hoffe ja, nach langer Winterpause im nächsten Monat ins Wasser zu kommen.
Grüsse
Othmar
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Re: Steuerpaddel versus ROmaM, Vor- und Nachteile

Beitragvon manfred » Do 24. Jun 2010, 19:17

Hallo Othmar,

das mit dem Brettchen hatte ich mir auch schon überlegt, allerdings in der einfacheren Version, dass ich die Ruderaufnahme, die nach diversen Brüchen nun bereits eine stattliche Stärke von 4cm erreicht hat, angeschrägt habe. Erste Erfahrungen sind durchaus positiv, allerdings habe ich dieses Jahr noch nicht bei so viel Welle gesegelt wie in den letzten Jahren. Die ernsthafte Erprobung steht also noch aus.
Die angeschrägte Fläche durch ein Brett noch weiter zu vergrößern halte ich nicht unbedingt für vielversprechend. Der Effekt des Auftriebes dürfte geringer sein als der des zusätzlichen Widerstandes. Der Vorteil dürfte erst bei großen Vortriebskräften einsetzten, die wir mit unseren Riggs nicht erreichen.
Mit dem von Dir angedachten Rudersystem habe ich keine Erfahrungen. Ich habe nur generell den Eindruck, dass die Ruder bzgl. der Festigkeit der Schwachpunkt einer Proa sind und kann daher nur empfehlen, sie stark auszulegen.

Ich wünsche Dir gute Fortschritte beim Weiterbau und bin schon auf Deine ersten Erfahrungsberichte unter Segeln gespannt
Manfred
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Re: Steuerpaddel versus ROmaM, Vor- und Nachteile

Beitragvon manfred » So 26. Sep 2010, 16:16

Hallo,

die Tatsache, dass die untere Ruderaufnahme sehr schnell ins Wasser eintaucht hat dann letztendlich doch dazu geführt, dass ich mich von dieser Konstruktion getrennt habe. Für eine weitere Versetzung noch oben war einfach nicht genügend Platz vorhanden. Aus den oben genannten Gründen wollte ich aber am Ruderprinzip festhalten.

Natürlich weiß ich, dass es am besten ist, wenn das Boot so ausgetrimmt ist, dass es überhaupt nicht durch Ruder oder Paddel gesteuert werden muss –wie heißt es so schön: Wer oft und hart das Ruder legt, der sich nur langsam fortbewegt. Auf meinem kleinen Heimtümpel lässt sich das aber nicht realisieren. Bis man das Boot soweit getrimmt hat, hat sich entweder der Wind gedreht, seine Stärke verändert, es kommt einem ein anderes Boot in die Quere oder der See ist zu Ende. Allerdings hat es auch auf der Ostsee nicht so funktioniert, wie ich mir das erhofft hatte, da dort die Wellen das Boot immer wieder aus dem Kurs geworfen haben.

Die neue Konstruktion ist eigentlich simpel und die Bilder sind selbsterklärend. Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass ich die Ruderschot untersetzen musste, da bei schneller Fahrt doch erhebliche Kräfte in Fahrtrichtung auf das Ruder wirken und dann eine feine Dosierung der Ruderstellung nicht mehr möglich war (was zugegebener Maßen nicht für die aquadynamic der Ruderblätter spricht).

Mit der Konstruktion werde ich sicher nicht den Schönheitspreis gewinnen, aber es sollte auch nur dazu dienen, das Prinzip zu testen, und das hat sich bestens bewährt. Ich glaube, dass dieses Prinzip auch auf größeren Schiffen funktioniert.

Schöne Grüße und hoffentlich noch einige schöne Segeltage vor der Winterpause
Manfred
DSCF0008kl.jpg
Ruder in Ruhestellung
DSCF0006kl.jpg
Ruder in Arbeitstellung
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