Stapellauf der P8

Für Freunde der schlanken und schnellen Auslegerboote. Egal ob traditionell oder modern (kein Bootsmarkt).

Stapellauf der P8

Beitragvon multihuller » So 21. Nov 2010, 15:19

Hallo Proafreunde,
hier möchte ich Euch ein paar Bilder vom Stapellauf meines neuen Bootes zeigen. Leider hat es beim Transport vom Bauplatz am Dach in den Garten einige Schäden am Vaka gegeben. So haben sich die Testfahrten auf wenige Stunden beschränkt und die P8 ist schon wieder in der "Werft". Daher kann ich auch noch keine großartigen Aussagen von mir geben. Immerhin, das Boot schwimmt auf der Wasserlinie, läßt sich unter Segeln bewegen und die Ruderanlage funktioniert prächtig. Das Shunten mit dem 20 qm Segel ist ohne Schienenführung des Yardfusses alleine kaum zu bewältigen. Hier muss noch nachgebessert werden. Mehr darüber im nächsten Multihull Report und dann im Frühjahr, wenn es wieder auf's Wasser geht.
Euer Othmar
Dateianhänge
3-Unterwegs small.jpg
4. Unterwegs unter Segel
auslaufen small.jpg
3. Auslaufen noch mit Paddel
stapellauf small.jpg
2. Stapellauf
9 Vaka gelandet 3 small.jpg
1. Der Vaka ist gelandet
multihuller
 
Beiträge: 123
Registriert: Di 11. Nov 2008, 18:14

Re: Stapellauf der P8

Beitragvon manfred » Mi 24. Nov 2010, 17:41

Hallo Othmar,

auch an dieser Stelle von mir nochmals herzlichen Glückwunsch zu dem gelungenen Projekt.
Hoffentlich ist der Schaden nur unwesentlich und läßt sich leicht beheben.

Bezüglich des Shuntens kann ich Dir Mut machen. Durch Übung läßt sich da sehr viel erreichen. Bei meinen ersten Shunt-Versuchen hätte ich nie gedacht, dass ich mal den jetzigen Stand erreichen könnte. Auch hier macht Übung den Meister. Auf jeden Fall rate ich Dir vom Bau einer Schiene ab, das war einer der größten Fehler, den ich bei meiner Proa gemacht habe.

Schöne Grüße
Manfred
manfred
 
Beiträge: 73
Registriert: So 25. Jan 2009, 16:53

Re: Stapellauf der P8

Beitragvon segelreto » Do 25. Nov 2010, 23:56

Gratulation zum Dritten!
Das ist ja dann wohl ein richtiges Boot, damit könnte man ja halb Ozeanien kolonisieren!
Hoffentlich ist ihm bei der Abseilaktion (sieht abenteuerlich aus ) nichts Schlimmes passiert.
Zur Schiene: Ich hab ja (Gott sei Dank ) keine Erfahrung damit, aber jetzt hast Du so einen tollen Mast gebaut und SÜPERBE, federleichte (gebogene!) Carbonspieren, am Gewicht kanns nicht liegen, trotz 20 qm! Shunten erfordert Übung (siehe Manfred) und bis alle Shuntleinen, -rollen und -klemmen auf einander abgestimmt und optimiert sind, dauerts.
Und außerdem: je stärker der Wind, desto LEICHTER der Shunt. Er hält Dein Boot schön quer und vor allem drückt er Dir Dein Segel querschiff, was schon mehr als die halbe Miete ist (vor allem, wenn man, was ich bei 20 qm annehme, 3 fache Schotübersetzung hat, ich bin deshalb auf 2fache zurückgegangen) danach geht die Segelspitze spielend auf den neuen Bug. Die größten Shuntkrepierer gibts bei mir nur bei Schwachwind. Beim Shunt ist weniger mehr. Deswegen, probiers vielleicht erst mal gründlich ohne Schiene.
Ein bißchen neidisch, reto
segelreto
 
Beiträge: 131
Registriert: Sa 22. Aug 2009, 14:57

Re: Stapellauf der P8

Beitragvon multihuller » Sa 27. Nov 2010, 09:08

Hallo Reto, hallo Manfred,

herzlichen Dank für die Glückwünsche. Mal sehen, was der nächste Sommer so an Neuigkeiten bringt.

Zum Shunten.
Leider waren ja die gemachten Erfahrungen recht kurz und das Lüftchen wirklich recht schwach. So wurde ich kaum vom Wind unterstützt, als ich das Rigg shiften wollte. Sicher ist auch eine gehörige Portion Übung erforderlich, wenn man alle Strippen synchron ziehen will. Nur merkte ich, daß bei der Bootsgröße (auch wenn alles leicht ist) eine "Einhand-Bedienung" schon recht schwierig ist. Die Running Stays und die Shunting Line sind kaum gemeinsam zu ziehen. Daher mein Wunsch, wenigstens die "Höhenstellung" des Spierenfusses einer Schienenlösung aufs Auge zu drücken. Dann kann man seine Kräfte auf's flotte Ziehen konzentrieren. Wie Reto anmerkte, ist auch die 3-fach geschorene Großschot ein Problem, da die 15 m Leine nicht einfach von selbst ausrauscht. Und nur durch Heranziehen der Spiere die Schotleine laufen zu lassen, dazu sind schon Kräfte erforderlich (wie gesagt ohne Hilfe durch Winddruck).

@Manfred
Was war den bei deiner Schiene das Problem? Möchte natürlich keinen Fehler nachbauen ;)

Grüße aus der immer noch 20 Grad warmen Türkei
Othmar
multihuller
 
Beiträge: 123
Registriert: Di 11. Nov 2008, 18:14

Re: Stapellauf der P8

Beitragvon manfred » Sa 27. Nov 2010, 21:55

Hallo Othmar,

über die Erfahrungen mit der Schiene könnte ich Bücher schreiben, es kann daher sein, dass die Antwort etwas länger ausfällt.

Interessant sind die Parallelen zwischen Deiner jetzigen Situation und meiner vor einiger Zeit. Nachdem ich mich vom Gibbons- Dierking Rigg verabschiedet und für das Delta-Segel entschieden hatte, war es auch bei mir die letzte Fahrt vor dem Winterlager, in der ich das Rigg ausprobiert habe. Auch bei mir war wenig Wind. Ich bin zum Shunten extra an einen flachen Strand gefahren und musste dann so um das Boot herumspringen und habe mir so einen abgebrochen, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass das einmal reibungslos auf dem Wasser funktionieren würde. Weiter wurde ich bestärkt durch den Ratschlag von Jörn Bütow auf http://www.proa.de, der eine Schiene als unbedingt notwendig ansieht. Leider hatte ich dann den ganzen Winter Zeit und konnte die Schiene bauen. Hätte ich mehr Zeit gehabt, das Shunten zu üben, hätte ich den Bau gleich da gelassen.

Warum ich Dir von der Schiene abrate? Die Probleme beginnen bereits mit dem Bau. Du musst ja eine ca. 8m lange Schiene aus einem Stück haben. In Frage kommen da Travellerschienen von renommierten Lieferanten, die aber auch entsprechend kosten (Genuaschienen zum Verstellen des Fockholepunktes reichen wegen der hohen Reibung nicht). Aktuell wüsste ich keinen, der eine 8m Schiene anbietet. Dann kommt dazu, dass diese Schienen an Deinen Bootsrumpf angepasst werden müssen, also dreidimensional gebogen werden müssen. Die Anbieter fragen diese Daten ab und biegen die Schienen entsprechend. Ich stelle mir vor, wie Du einem Lieferanten in Hamburg versuchst, Deine Koordinaten mitzuteilen und wie die Schiene dann den Weg von Hamburg an das Mittelmeer nehmen soll. Das Ganze scheint mir wenig erfolgversprechend.

Bleibt der Selbstbau. Auf der Schiene muss ja ein Schlitten laufen, also bietet sich ein Doppel-T-Träger an. Nun versuch einmal, einen Doppel-T-Träger in x,y und z-Richtung zu biegen.

Nun ist das nicht ganz unmöglich. Ich habe es so gemacht, dass ich zwei U-Profile gebogen und dann zusammengeklebt habe. So ganz einfach ist das aber auch nicht und zudem war das Boot auch gar nicht für so eine Schiene ausgelegt, will heißen, es war nicht immer genug Fleisch (Holz) zur Befestigung vorhanden. Manchmal habe ich auch ins Leere geschraubt.

Für diese Schiene gab es natürlich keinen Schlitten, so habe ich mir den auch selbst zusammengebaut. Leider hat der dann nicht die Laufeigenschaften, die man sonst von einem Traveller aus dem Fachhandel erwartet. Das führte dazu, dass der Schlitten beim Shunten häufig klemmte und auch sonst hohe Kräfte zum Verschieben erforderlich waren, also meilenweit von einem butterweichen Lauf entfernt, wie er Dir wahrscheinlich vorschwebt.

Weiter sollte die Schiene einen gewissen Winkel zum Deck aufweisen, damit die Verbindungen zum Boot nur auf Zug beansprucht werden. Die Schiene hat ja eine gewisse Höhe und es sollte kein Hebelarm für die horizontal wirkenden Kräfte des Segels entstehen. Also musste die Schiene an den Befestigungspunkten unterfüttert werden.

Außerdem passte die Schiene vom Aussehen überhaupt nicht zum restlichen Boot, das ja nun mal aus Holz ist. Außerdem störte sie eigentlich überall. Man konnte das Boot noch nicht einmal auf den Kopf legen, sondern musste immer eine spezielle Aufnahme haben, die eine Aussparung für die Schiene hatte. Durch meinen Eigenbau war die Schiene auch recht scharfkantig, was dem Segel, dass hin und wieder dagegen kam, auch nicht unbedingt gut tat.

Ich will Dir aber nicht von der Schiene abraten, weil sie nicht so einfach zu bauen ist (ganz im Gegenteil, da Leuchten die Augen eines Selbstbauers erst richtig auf) Es ist ja auch nicht unmöglich. Ich bin mit der Schiene eine Saison gesegelt, den Törn auf dem Darß habe ich z.B. mit dieser Konstruktion gemacht.

Die wesentlichen Nachteile sind die Folgenden:
Trotz der Neigung hat die Rah mit einem Hebelarm an der Schiene angegriffen. Das war an sich schon statisch ungünstig, aber insbesondere bei Welle und wenig Wind, wenn das Segel schlägt, kam es zu dynamischen Belastungen, die die Schiene fast aus auf der Verschraubung gerissen hätten. Ich denke einmal, auch dieses Problem hätte ich noch in dem Griff bekommen. Das Problem habe ich aber gar nicht mehr in Angriff genommen.

Der Hauptnachteil, und das ist der eigentliche Grund, warum ich mich von der Schiene verabschiedet habe, ist, dass man bezüglich der Rigggeometrien erheblich eingeschränkt ist. Die Länge vom Rahfuß zum Anschlag der Rah an den Mast muss gleich der Mastlänge sein. Damit ist die maximale Verschiebung des Segeldruckpunktes nach vorne begrenzt.
Als ich mit der Schiene gesegelt bin war das Problem, dass das Boot extrem luvgierig war. Ich konnte wegen der oben genannten Abhängigkeit den Segeldruckpunkt aber nicht weiter nach vorne verschieben.

Anfangs konnte ich gar nicht verstehen, warum Reto so wenige Probleme mit der Luvgierigkeit hatte (auch seine Riggabmessungen konnte ich nicht nachvollziehen) bis er einmal schrieb, dass er ohne Schiene auskommt. Daraufhin habe ich sofort das Shunten ohne Schiene versucht. Die ersten Versuche waren so ermutigend, dass ich die Schiene sofort komplett abgebaut habe. Seitdem habe ich nicht ein einziges Mal daran gedacht, die Schiene wieder anzubringen.

Sicher ist auch diese Konstruktion noch verbesserungsfähig. Bei meinem Boot muss ich bei jedem Shunt-Vorgang das Segel und die beiden Rahen ca. einen halben Meter hochziehen. Das erspart dann zwar für den Tag den Fitnesscenter-Besuch, muss aber nicht unbedingt sein und lässt sich sicher eleganter lösen. Ich hatte ja schon einmal versuchsweise eine Hebe und Senkvorrichtung ausprobiert. Die Idee will ich im Winter wieder aufgreifen.

Wenn ich Dir einen Ratschlag geben darf dann den, erst mehr Erfahrungen mit dem Shunten des Bootes zu sammeln. Das Ziehen an den Tampen muss nicht gleichzeitig erfolgen. Ganz im Gegenteil, die Riggschot darf erst bei einem bestimmten Winkel des Mastes gezogen werden. Das muss man ausprobieren. Bei der Größe (Kleine) meines Segelreviers muss ich ca. alle 4 min. Shunten (wenn der Wind ungünstig steht und er steht meist ungünstig). Von daher denke ich, ich weiß, wovon ich rede. Danach kannst Du immer noch überlegen, on Du die Schiene bauen willst.
Ahoi KALAPUNA
Gruß
Manfred
manfred
 
Beiträge: 73
Registriert: So 25. Jan 2009, 16:53

Re: Stapellauf der P8

Beitragvon segelreto » So 28. Nov 2010, 15:26

Hallo Othmar!
Hoffentlich bestärkt Dich Manfred's Leidensweg nicht in Deinem Schienenbau- Willen (Das kann man doch besser machen!). Bevor man den Weg der Segelspitze vielleicht unnötig in ein Korsett zwängt, sollte man die möglichen Shunt- Hindernisse einzeln betrachten und eliminieren: Boot liegt quer zum Wind, man öffnet die Schot. Hier stellt sich schon die Frage, ob Du zur Segelbedienung eine oder zwei Schoten verwendest. Wenn Du wie ich für jeden Bug eine separate Schot verwendest, vermeidest Du eine mögliche Verhedderung, im Moment, wenn die Segelspitze gerade mittschiffs den Schotbereich passiert. Die Schot für den neuen Bug geht vom Boot über die Rah an der Leeseite des Segels entlang zum Holepunkt am Baum. Die Doppelschot Methode ist vor allem dann notwendig, wenn die Rah soweit oben am Masttop angeschlagen ist, daß die Segelspitze immer unter der Bordwand bleibt. Diese Methode erspart auch das Umfädeln um den Mast und das Verstellen des Holepunktes für den jeweils neuen Bug. Allerdings hat man dann hat man dann, eigentlich unnötigerweise, das Doppelte an Schot und Schotblöcken.
Aber mir scheint, Du hast nur eine Schot und ich schätze, daß bei Deiner Segelgeometrie die Segelspitze während des Shunts irgendwann über die Bordwand gerät.
Daß man unbedingt gleichzeitig an Shuntleine und Stagschot ziehen muß, ist beileibe kein Dogma, sondern nur eine Variante, die ich manchmal verwende. Meistens ziehe ich aber nur an der Shuntleine, bis die Segelspitze etwa mittschiffs ist, ziehe dann an der Stagschot den Mast auf den neuen Bug, wobei ich die Segelspitze im Auge behalte, die in diesem Moment manchmal an Hindernissen vorbeilaviert (Hier kommen auch die Füße zum Einsatz) werden muß. Dann gehts wieder an die Shuntleine.
Natürlich kann ich den ganzen Vorgang allein mit der Shuntleine und ohne Schiene bewältigen, also auch den Mast auf den neuen Bug ziehen. Aber ich habe festgestellt, daß ich mit dem Leinenwechsel weniger Kraft brauche.
Du hast ja auch noch die Ruder (nochmal Spezialkompliment) zu heben und zu senken. Auch in dieser Sequenz gibts vielleicht Variatiosmöglichkeiten. Abweiser an Kanten und Ecken, an denen die Spitze hängenbleiben könnte sind eine Möglichkeit. Auch könntest Du von Deinen beiden Anschlagpunkten der Rah vielleicht nur den Oberen verwenden. Ein sehr wichtiges Trimmittel, welches auch den Shunt beeinflußt ist die Möglichkeit den Luvwant bei Schwachwind zu verlängern. Dann hängt der Mast nach Lee, und der Baum öffnet sich etwas durch die Schwerkraft, wenn schon der Wind nicht hilft. Auch die Segelspitze wird etwas weiter Außenbords gehalten, was bei Starkwind der Wind übernimmt.
So, jetzt haben Manfred und ich unser Möglichstes getan, um Dich vom Schienenbau abzuhalten. Hier noch ein Ohneschienen- Doppelschotshunt einer Franzosenproa, die ungefähr die Größe von Kalapuna hat :http://praopetrel.canalblog.com/archives/journal_de_bord/index.html allerdings nicht Einhand.
Gruß, Reto
segelreto
 
Beiträge: 131
Registriert: Sa 22. Aug 2009, 14:57

Re: Stapellauf der P8

Beitragvon multihuller » So 28. Nov 2010, 22:13

Hallo Manfred, hallo Reto,

erstmal herzlichen Dank für Hinweise und Tipps. Leider sind meine bisherigen praktischen Zeiten mit dem CC recht kurz ausgefallen. Ich möchte trotzdem nochmal kurz meine "Erfahrungen" und Gedanken mit Euch ventilieren.

Vorab aber noch eine Info zu der von Reto genannten französischen Proa. Es handelt sich dabei um den Entwurf MBULI von John Harris. Das Boot ist nur 6 m lang. Die Segelfläche des CCs ist um einiges kleiner, als bei "Kalapuna". Und der Shuntvorgang auf dem Video ist ja auch nicht gerade berauschend :)

Folgende Problembereiche gilt es für mich zu lösen:

Großschot. Reto benutzt zwei Schoten. Das hatte ich anfangs auch vor. Meine Distanz vom Schotbeschlag zum Baum beträgt aber einfach ca. 5 Meter. Es war aber schon schwer genug die Bremswirkung einer dreifach geschorene Schot zu überwinden, geschweige denn die von Zweien. Ich werde hier erstmal mit besseren Blöcken und Leinen nachbessern. Die dreifache Übersetzung brauche ich auf jeden Fall bei 20 qm SF. Die nächste mögliche Version zeige ich im Bild unten.

Schiene. Eine Metallschiene kommt nicht in Frage und zusammengestopselte Genuaschienen erst recht nicht. Die Idee, die ich realisieren möchte, besteht aus einem geschlitzten Kunststoffrohr (Abwasserrohr). In diesem läuft eine im Durchmesser etwas kleinere Kugel, an der eine Stange befestigt ist, die oben aus dem Schlitz ragt. An dieser wird der Fuss der Spiere befestigt. Das Kugel-Stangen-Teil kann aus einem z.b. Messingstück gedreht werden. Das Rohr wird von 5 Klammern über die Rumpflänge gehalten und an den Bugspitzen befestigt. Dort sind bereits "Garagen" montiert, in die sich der Spierenfuss einstemmt. Ein weiterer Vorteil der Schienen-Konstruktion ist, daß sich das Großschotproblem durch Montage des Decksbeschlages in Lee der Schiene zum großen Teil mit erledigt.

Zu den von Manfred genannten Nachteilen einer Schienenkonstruktion:
"dass man bezüglich der Rigggeometrien erheblich eingeschränkt ist". Dies ist nicht der Fall, wenn der an der Spiere ein "Bridle" installiert ist, auf dem das Fall mit einem Block läuft (siehe Bild unten). Dann kann durch Neigung des Mastes und mit dem Fall sehr wohl die Geometrie beeinflusst werden.

"Trotz der Neigung hat die Rah mit einem Hebelarm an der Schiene angegriffen". Meine Schiene würde wie folgt belastet: An den Bugenden auf Druck von oben durch den Wind, übergehend zur Mitte durch Druck von der Seite von Baum und Segel. Entsprechend können die Halterungen ausgelegt werden. Meine Spiere (Rah) steht relativ steil. Die Rigg-Geometrie ist dann so ausgelegt, das die Kurve des Spierenfusses so flach wie möglich ausfällt. Der Rest wird über den Bridle an der Spiere oben aufgefangen.

So, jetzt bin ich auf Eure Kommentare gespannt ;)
LG
Othmar
Dateianhänge
Bridle.jpg
Bridle
Bridle.jpg (8.48 KiB) 6994-mal betrachtet
6-Mainsheet.jpg
Mögliche Großschotführung (am Baum ein Dreifachblock)
6-Mainsheet.jpg (19.49 KiB) 7001-mal betrachtet
multihuller
 
Beiträge: 123
Registriert: Di 11. Nov 2008, 18:14

Re: Stapellauf der P8

Beitragvon manfred » Di 30. Nov 2010, 21:36

Hallo Othmar,

ich habe gerade Deinen wirklich interessanten Bericht im Report gelesen. Schade, dass mit den Rissen. Um dem Ganzen eine gute Seite abzugewinnen: Besser jetzt im Winter, als wenn es in der Segelsaison passiert wäre. Ansonsten klingt doch alles sehr verheißungsvoll, ich habe schon schlechtere Premieren erlebt.

Du hattest um Kommentare gebeten.
Voraussetzung für die Funktion des Verschiebessystems „Rohr“ ist eine geringe Reibung. Damit habe ich bei meiner Schiene sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Mein Schlitten hatte 12 Rollen und ging trotzdem schwergängig und hakte öfter. Bei Deiner Kugel habe ich dahingehend auch große Bedenken. An den Enden in den Garagen lastet wegen des Bridle das gesamte Gewicht der Rahen und des Segels auf der Kugel. Die dürfte man dann kaum noch bewegen können. Auch ist die Lastverteilung nicht so, wie Du sie annimmst sondern durch das Schlingern des Bootes und des Riggs bekommst Du alle nur vorstellbaren Lastkonfigurationen. Daher dürfte selbst dann, wenn das Gewicht nicht mehr auf der Kugel lastet, die Reibung erheblich sein.

Beim Anblick Deines Bridle überkommt mich etwas Unbehagen. Von der Kraftverteilung her ist das so das Ungünstigste, was man sich vorstellen kann. Auch hat das Ganze dann weit oben im Mast sehr viel Spiel. Da muss man sicher erst einmal einige Erfahrung sammeln. Zur Funktion habe ich noch eine Verständnisfrage. Wie hebst Du an den Bügen die Rah an, wie soll das mit der Leitplanke funktionieren?

Ich fahre als Schot eine zweifach untersetzte, endlose 8mm Schot. Es fliegt sowieso schon genug Tauwerk im Cockpit rum. Wenn ich da zwei Schoten hätte, würde es ziemlich unübersichtlich. Mit der Reibung habe ich eigentlich keine Probleme. Trotzdem ist Deine Anordnung genial, leider funktioniert sie nur bei einer wie auch immer gearteten Schiene.

Bevor Du Dich aber in dieses Abenteuer stürzt betrachte doch noch einmal in Ruhe den Shuntvorgang, den man in 4 Teile teilen kann.

1. Der Mast ist geneigt und der Rahfuss am Bug. Nun ziehst Du an der Riggschot, bis die Rah die gleiche Neigung hat wie der
Mast. Das geht leicht, der Anfang sogar von selbst.
2. Nun muss der Mast in die Senkrechte gebracht werden. Dazu ziehst Du an dem Stag. Das kann etwas schwer gehen,
weil Du die Rahen und das Segel anheben musst.
3. Der nächste Teil geht von selbst. Der Mast ist über den Kipppunkt und fällt in seine neue Stellung. Diesen Vorgang
musst Du nur durch ein leichtes Dichtholen der Stag unterstützen. Bei Teil 2 und 3 brauchst Du Dich nur im
Ausnahmefall um die Riggschot kümmern. Die Rah kommt von alleine hinterher.
4. Im letzten Teil ziehst Du mit der Riggschot den Rahfuß an den neuen Bug.

Mit etwas Übung funktioniert das recht gut (Übung heißt hier mehr als 2 Versuche). Jedenfalls würde ich erst einmal mindestens so viel Zeit in das Üben des Shuntvorgangens investieren wie der Bau des Rohres kosten würde.

Schöne Grüße
Manfred
manfred
 
Beiträge: 73
Registriert: So 25. Jan 2009, 16:53

Re: Stapellauf der P8

Beitragvon multihuller » Mi 1. Dez 2010, 18:51

Hallo Manfred,
das Foto des Bridle zeigt diesen nicht in der Segelstellung. Das Boot war noch auf dem Hausdach, als das Foto gemacht wurde.
Beim Segeln ist das Fall durchgesetzt, d.h. der Block des Falls ist am Masttopp und der Bridle ist auch straffer gespannt. Die Rahe hängt also schon knapp am Masttopp dran. Zu deiner Frage "Wie hebst Du an den Bügen die Rah an" eine einfache Antwort. Der Bridle funktioniert nur korrekt mit einem schienengeführten Fuss. Für meine Testfahrten hatte ich das Fall in der Mitte des Bridle fixiert :)
Die Kraftverteilung ist nicht ungünstig, sonder besser, als wenn das Fall nur punktuell an der Rahe befestigt ist (geringere Durchbiegung).

Zur Schiene noch folgendes. Diese Idee bekam ich von einem Proafreund auf Naxos und habe sie mir schon gründlich durch den Kopf gehen lassen. Jede Art von Schienenkonstruktion wird immer Probleme damit haben, daß die Kräfte aus verschiedenen Richtungen angreifen, wie du so richtig sagst. Man bräuchte also auch Räder in alle Richtungen oder ein sündteures kugelgelagertes Traveller-System. Eine Kugel in einem Rohr wird dessen Wandung immer nur an einem Punkt berühren und sollte somit die geringste Reibung erzeugen. Zu deinem Argument "An den Enden in den Garagen lastet wegen des Bridle das gesamte Gewicht der Rahen und des Segels auf der Kugel". Bei jedem drehbaren Mast lasten Tonnen (Gewicht und Riggspannung) auf einer viel kleineren Kugel.

Ich muss in jedem Fall dafür Sorge tragen, daß der Spierenfuss sicher in seinem Endlager auf dem Bug sitzt und nicht daneben hängt. Janusz von der Proa Pjoa, der mich in der Türkei besuchte, macht es so, daß der Fuss mehr oder weniger "einschwebt" und dann mit der Shunting Line in die Garage gezogen wird. So die Idee. Das erfordert aber eine ausgeklügelte Rigggeometrie ohne viel Spiel. Bei mir hat das noch nicht so geklappt. Hätte mehr Zeit benötigt.

Bleibt aber bitte Eurem schienenlosen Shunting treu. Wichtig ist, daß es funktioniert, egal wie ;)

Wir werden sehen ...
Grüsse
Othmar
multihuller
 
Beiträge: 123
Registriert: Di 11. Nov 2008, 18:14

Re: Stapellauf der P8

Beitragvon segelreto » Do 2. Dez 2010, 17:46

Hallo Othmar!
Bei der Doppelschot Methode wird beim Shunt nur jeweils eine Schot aufgezogen. Die andere ist schon vom letzten Shunt aufgezogen, und läuft vom zweiten Holepunkt an Deck über den Bug/Rah auf der Leeseite des Segels zum Holepunkt am Baum (siehe Foto). Deswegen muß beim Shunt die Segelspitze niemals die Schot kreuzen.
Das Bridle am Masttop erleichtert sicher den Shunt, auch die 2 Punkt Belastung der Rah tut der Biegekurve gut. Etwaige Nachteile: Schlagen bei Schwerwetter und schwammiger Segeltrimm. Auf jedenfall empfielt es sich an dieser Segelstelle kräftigen Abriebschutz anzunähen, meines ist dort schon teilweise durch, alleine wegen des Shuntens.
Warum der Aufwand mit Rahfußhalterungen/Heben des Rahfußes ? Meine Segelspitze hängt einfach in der Shuntleine seitlich an der Bugspitze.
Servus, Reto
P.S.: Hat Janusz erzählt, warum er das Bändselreff verworfen hat?
Dateianhänge
Doppelschot.JPG
Doppelschot
segelreto
 
Beiträge: 131
Registriert: Sa 22. Aug 2009, 14:57

Nächste

Zurück zu Proas

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast