Atlantische Proa

Für Freunde der schlanken und schnellen Auslegerboote. Egal ob traditionell oder modern (kein Bootsmarkt).

Atlantische Proa

Beitragvon multihuller » Di 30. Nov 2010, 03:08

Folgende Frage erreichte mich, die ich hier gerne zur Beantwortung durch Euch einstelle.

"Mich würde mal interessieren was Proasegler über diese Schiffe (atlantische Proa) denken. Warum fragst Du nicht mal Deine P5 Segler, wie sie über eine atlantische Proa denken? Wie hätten sie entschieden, wenn ihnen Pläne für ein solches Schiff gratis zur Verfügung gestellt würden?"

Also Proafreunde, welche Meinungen gibt es zu diesem Schiffstyp?
Othmar
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Re: Atlantische Proa

Beitragvon wilhelmprenninger » Di 30. Nov 2010, 13:48

Hallo Othmar

Ich halte nichts davon. Ich glaube nicht dass es in der vergangenen Zeit, im Mittelalter oder so, jemals atlantische Proas gegeben hat. meiner Meinung nach ist es eine erfindung der Europäer, weil sie angst vorm Kentern hatten. Wenn ich einen Bauplan bekommen würde, ich würde ihn auf eine Pazific Proa umzeichnen. Anstelle einer Atlantik Proa würde ich mir doch lieber einen Trimaran zulegen. Ich habe einmal irgentwo gelesen, eine Atlantik Proa sei ein mißlungener Trimaran.
Ich bin kein P5 Segler, aber ich habe mir eine kleine Reiseproa gebaut. ( zu sehen unter Proa spezial in Multihull.de - von Prenninger Wilhelm) Ich habe mir ein neues Rigg ausgedacht, es funktioniert wie ein Kitewing. Wenn sich jemand für das rigg interessiert, ich gebe gerne auskunft.
Bis später Willi
wilhelmprenninger
 

Re: Atlantische Proa

Beitragvon manfred » Di 30. Nov 2010, 19:40

Hallo Othmar,

ich hätte wieder genauso entschieden und eine pazifische Proa gebaut.

Was mich an dem Konzept der pazifischen Proa fasziniert ist, dass bei zunehmendem Wind der Schwimmer aus dem Wasser gehoben wird und sich damit die vom Wasser benetzte Oberfläche reduziert (natürlich wird der Hauptrumpf tiefer ins Wasser gedrückt aber wegen seines größeren Volumens erhöht sich hier die benetzte Oberfläche nur wenig) und daher das Boot schneller segelt.

Von der Gewichtsverteilung ähnelt das Boot dann einer Jolle, bei der die Besatzung im Trapez steht, das Boot aber insgesamt wesentlich stabiler ist und man bequem in der Ausreitposition stehen oder sitzen kann.

Auch wenn man die heute innovativste Neuerung im Regattasport für Einrümpfer konsequent weiterdenkt, kommt man zur pazifischen Proa. Wenn man nämlich den Schwenkkiel weiter schwenkt bis er aus dem Wasser kommt und dann verlängert (wobei man dann gleichzeitig das Gewicht reduzieren kann) kommt man auch zu einer polynesischen Proa.

Für diese Vorteile muss man allerdings einen hohen Preis zahlen – das Boot muss vorwärts und rückwärts fahren können. Dass das nicht so ganz einfach ist, dokumentierst Du ja z.B. in Deinem lesenswerten Bericht im neuesten multihull Report.

Bei einer atlantischen Proa verzichtet man nicht nur auf den ersten Vorteil, ganz im Gegenteil, hier erhöht sich die benetzte Wasserfläche bei mehr Wind sogar überproportional, sondern man hat außerdem den Nachteil des komplizierten Riggs, der schwierigen Ruderführung und die Restriktion, den Rumpf strömungstechnisch für beide Richtungen auslegen zu müssen.

Der einzige Vorteil einer atlantischen Proa gegenüber einer polynesischen liegt in meinen Augen darin, dass die Stabilität höher ist (das Gewicht des vom Schwimmer verdrängten Wassers ist höher als das reine Gewicht des Schwimmers). Aber dieses Kriterium spielt für mich, zumindest bei dieser Bootsgröße, keine Rolle. Ich segle bei 5m Bootslänge lieber schnell und sportlich als langsam und (etwas) sicherer.

Gruß
Manfred
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Re: Atlantische Proa

Beitragvon Multihull-Team » Mi 1. Dez 2010, 18:59

Hallo Wilhelm, hallo Manfred,
danke für Eure Kommentare dazu. Ich denke wir liegen da auf einer Wellenlänge.

@ Wilhelm, es wäre nett, wenn du ein paar Fotos von deinem neuen Rigg hier reinstellen könntest. Ich hatte schon ein Foto von vom ersten Aufriggen von Helmut erhalten. Bist du jetzt schon weitergekommen? Vielleicht schon gesegelt???
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Re: Atlantische Proa

Beitragvon segelreto » Di 7. Dez 2010, 15:16

Die atlantische Proa vereinigt die Nachteile Von Cat / Tri mit denen der Proa, ist also Unfug. Ama wird nur auf Druck belastet, dewegen müssen die Beams stärker gebaut werden. Kann nicht wenden, muß shunten.
reto
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Re: Atlantische Proa

Beitragvon Herbert » Do 9. Dez 2010, 06:59

Den Unfug auf die Spitze treiben! Schließe mich segelreto in vollem Umfang an.
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Re: Atlantische Proa

Beitragvon multihuller » Do 9. Dez 2010, 07:45

Hallo Proaista,
so wie es aussieht, hat die "atlantische Proa" bei Euch keine Chance. Das ist bei kleinen Booten sicher absolut richtig. Wie sieht es aber aus, wenn man an Längen über 8-10 Meter, also an Fahrtenschiffe, denkt? Da gelten ja u.U. andere Kriterien. Das würde mich auch interessieren.
Othmar
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Re: Atlantische Proa

Beitragvon manfred » Do 9. Dez 2010, 17:45

Hallo Othmar,

auch dann keine atlantische Proa sondern schon eher einen Tri. Nachteil ist zwar etwas mehr Gewicht und Kosten, aber (siehe auch oben)
kein kompliziertes Riggs,
keine schwierige und doppelte Ruderführung
die Rümpfe können für eine Richtung strömungstechnisch optimal ausgelegt werden.

Schönen Gruß
Manfred
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Re: Atlantische Proa

Beitragvon segelreto » Fr 10. Dez 2010, 12:12

Wieso soll man bei großen Fahrtenproas wegen Kenterangst auf die Vorteile der pazifischen Proa verzichten? Der Hauptkonstruktionsfehler aller mir bekannten pazifischen Fahrtenproas liegt darin, daß alle die Kabine im Vaka haben. Diese öffnet sich dann logischerweise zur Luvseite, bietet also null Schutz für die Besatzung. Gerade bei Schwerwetter muß aber die Besatzung nach Luv und braucht gleichzeitig Schutz. Was also liegt näher, als eine wie bei den polynesischen N`druas nach Luv abgeflachte Kabinenkonstruktion zwischen die Beams zu bauen? Dann kann der bewegliche Ballast bei Starkwind schön gemütlich Tee trinken und abwarten.
servus, reto
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Re: Atlantische Proa

Beitragvon multihuller » Fr 10. Dez 2010, 22:49

segelreto hat geschrieben: ... Was also liegt näher, als eine wie bei den polynesischen N`druas nach Luv abgeflachte Kabinenkonstruktion zwischen die Beams zu bauen? reto


Hallo reto,
ich hatte einmal einen Weekender gezeichnet, der Dir dann auch gefallen könnte,
Grüsse
Othmar
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