Krebsscherensegel mit vorgespannten Spieren

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Krebsscherensegel mit vorgespannten Spieren

Beitragvon segelreto » Fr 29. Jul 2011, 10:41

Schon bei meinem 1. Segel mit geraden Spieren mußte ich nach ausgiebigem Gebrauch feststellen, daß das Achterliek etwas durchhing/ausleierte. Deswegen habe ich bei meinem neuen Segel mit gebogenen Spieren extra die Segelbahnen (den Schuß) paralell zum Achterliek gelegt und das Achterliekband mit Vorspannung aufgenäht.
Trotzdem habe ich im vorderen Bereich jetzt einen relativ harmonischen Bauch, auf der Geraden zwischen Rahanschlag am Mast und Schotanschlag am Baum einen sehr flachen Bereich. Im hinteren Bereich, ab da, wo die Spieren frei sind, beult sich das Tuch wieder aus, und hängt unschön nach Lee durch.
Daraus folgere ich, daß die frei und ungestützt in der Luft sehenden Spierenenden auf Vorspannung gebracht werden müssen, um das ausgebeulte Achterliek flachzuspreizen. Man muß vor dem Zuschneiden des Segels ein Spreizholz o.Ä zwischen Rahanschlagspunkt und Schotanschlagspunkt Baum fixieren . Dann legt man die Spieren auf das Tuch und bringt die Spieren mit einer zwischen den Spierenenden gespannten Schnur auf Spannung. Erst DANN, nach dieser engeren Kurve schneidet man das Segel aus. Wenn man die Spannung richtig gewählt hat, wird sich wohl nur auf diese Weise ein optimal stehendes Krebsscherensegel herstellen lassen.
Bei einem Ozeanischen Deltasegel (OD) mit geraden Spieren, wo die Rah weiter an ihrem oberen Ende angeschlagen werden kann, das ungestützte, freie Rahende also nicht so lang ist, wirkt sich eine fehlende Vorspannung nicht so stark aus. Ich würde trotzdem auch hier für eine Vorspannung, plädieren, um ein optimal stehendes Segel zu bekommen.
In der Praxis bedeutet das, daß man erstens schon vor dem Segelzuschnitt den Rah-, und den Schotanschlagspunkt wissen muß, was bei einer gebogenen Rah sehr schwierig ist. Ich habe erst im dritten Anlauf den Punkt gefunden, an dem die Rah am Mast befestigt werden muß, um bei dichtgeholter Schot weder nach Lee noch nach Luv nachzugeben. Zweitens muß man die Steifigkeit der Spieren richtig einschätzen, um genau die passende Vorspannung einzustellen. Da hilft wohl nur Erfahrung, und die kann kein "konventioneller" Segelmacher haben.
Das alles legt die Vermutung nahe, daß die polynesischen Krebsscherensegel mit ihren gebogenen Spieren a priori gar nicht aus aerodynamischen Gründen entstanden sind, oder um den Segeldruckpunkt nach vorne zu bringen, das ist ein angenehmer Nebeneffekt. Nein, sie haben sich woh nur entwickelt, um mit relativ dünnen, flexiblen, vorgespannten Spieren, ein einigermaßen flaches, gleichmäßig gespanntes Segel zu erhalten. Steife Carbonspieren erfordern natürlich viel weniger Biegung, als diverse Naturholzstangen, um dieselbe Vorspannung zu erhalten. Auch die Länge der Spieren spielt ja bei gleichbleibendem Querschnitt eine Rolle. Das würde erklären, warum man stark gebogene Spieren eher auf Bildern von antiken Großproas sieht.
Schon wieder Lehrgeld zahlen müssend,
Servus, Reto
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